Ratgeber für Verkäufer aus Deutschland
Kurz beantwortet: Als Verkäufer mit Wohnsitz in Deutschland zahlen Sie in Spanien 19 % Steuer auf den Gewinn, unabhängig davon, wie lange Sie die Immobilie besessen haben. Der Käufer behält 3 % des Kaufpreises als Vorauszahlung ein, innerhalb von vier Monaten geben Sie die Gewinnsteuererklärung ab. Dazu kommt die Plusvalía Municipal der Gemeinde. In Deutschland ist der Gewinn nur steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als zehn Jahre liegen, die spanische Steuer wird dann angerechnet.
Wenn Sie Ihren Wohnsitz in Deutschland haben und eine Immobilie an der Costa del Sol verkaufen, sind zwei Länder und vier Posten betroffen. Diese Steuern stehen nicht einfach nebeneinander, sondern greifen ineinander.
Viele Eigentümer gehen davon aus, dass der Verkauf nach zehn Jahren steuerfrei ist. Das stimmt nur für Deutschland. Spanien kennt keine Spekulationsfrist: Der Gewinn wird dort immer besteuert, auch nach 20 oder 30 Jahren. Für Verkäufer ohne steuerlichen Wohnsitz in Spanien beträgt der Satz 19 %.
Besteuert wird nicht der Verkaufspreis, sondern der Gewinn. Und den können Sie mit guten Unterlagen deutlich senken:
Haben Sie die Immobilie vermietet, wird die steuerlich geltend gemachte Abschreibung vom Anschaffungswert abgezogen, der Gewinn fällt dann entsprechend höher aus. Bewahren Sie deshalb Kaufurkunde und alle Rechnungen sorgfältig auf: Ohne Belege können Sie Investitionen nicht ansetzen.
Weil Sie als Nichtresident nach dem Verkauf für das spanische Finanzamt schwer greifbar wären, sichert sich der Staat einen Teil der Steuer vorab: Der Käufer behält 3 % des Kaufpreises ein und überweist diesen Betrag innerhalb eines Monats an das Finanzamt (Modelo 211). Sie erhalten beim Notar also nur 97 % des Kaufpreises.
Anschließend geben Sie innerhalb von vier Monaten nach dem Verkauf die Gewinnsteuererklärung ab (Modelo 210). Dabei gibt es drei mögliche Ergebnisse:
Auch Ihre jährliche Nichtresidenten-Steuer sollte vor dem Verkauf auf dem aktuellen Stand sein. Mehr dazu lesen Sie auf meiner Seite zum Modelo 210.
Zusätzlich verlangt die Gemeinde die Plusvalía Municipal, eine Steuer auf den Wertzuwachs des Grundstücksanteils. Sie wird innerhalb von 30 Werktagen nach dem Notartermin fällig und ist vom Verkäufer zu zahlen. Bei Nichtresidenten behält der Käufer den Betrag in der Praxis meist gleich beim Notar ein. Da die Plusvalía zu den Verkaufskosten zählt, mindert sie zugleich Ihren steuerpflichtigen Gewinn in Spanien. Alle Details finden Sie unter Plusvalía Municipal auf Deutsch erklärt.
Seit 2013 gilt im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien die Anrechnungsmethode. Deutschland darf den Gewinn ebenfalls besteuern, rechnet die in Spanien gezahlte Steuer aber an. Sie zahlen also nicht doppelt, sondern im Ergebnis höchstens den höheren der beiden Steuerbeträge.
Ob in Deutschland überhaupt Steuer anfällt, entscheidet die bekannte Zehnjahresfrist:
| Kaufpreis 2018 | 250.000 € |
| plus Kaufnebenkosten (Steuer, Notar, Grundbuch) | 25.000 € |
| Anschaffungswert | 275.000 € |
| Verkaufspreis 2026 | 380.000 € |
| minus Verkaufskosten (Makler, Plusvalía, Energieausweis) | 15.000 € |
| Steuerpflichtiger Gewinn | 90.000 € |
| Spanische Gewinnsteuer (19 %) | 17.100 € |
| minus 3 % Einbehalt des Käufers | 11.400 € |
| Nachzahlung mit Modelo 210 | 5.700 € |
Die Wohnung wurde vermietet und weniger als zehn Jahre gehalten. Deshalb ist der Gewinn auch in Deutschland steuerpflichtig, die 17.100 € aus Spanien werden auf die deutsche Steuer angerechnet. Vereinfachte Darstellung, Abschreibungen sind nicht berücksichtigt.
Leben Sie bereits an der Costa del Sol und sind in Spanien steuerlich ansässig, gelten andere Regeln: Der Gewinn wird in Ihrer spanischen Einkommensteuererklärung progressiv mit 19 % bis 30 % besteuert, und es gibt keinen 3-%-Einbehalt. Dafür gibt es Befreiungen, etwa wenn Sie den Erlös aus dem Verkauf Ihres Hauptwohnsitzes in einen neuen Hauptwohnsitz reinvestieren oder wenn Sie älter als 65 Jahre sind und Ihre Hauptwohnung verkaufen. Ab wann Sie als ansässig gelten, erkläre ich unter Die 183-Tage-Regel.
Haben Sie die Immobilie geerbt, gilt als Anschaffungswert grundsätzlich der Wert, der bei der Erbschaft angesetzt wurde. Mehr dazu unter Geerbte Immobilie verkaufen. Für Eigentümer mit Wohnsitz in der Schweiz gelten eigene Regeln, die ich unter Steuern Schweiz-Spanien zusammengefasst habe.
Kostenlose Werteinschätzung: Ich sage Ihnen ehrlich, welcher Preis an der Costa del Sol realistisch ist, auf Basis aktueller Verkäufe in Ihrer Lage. Besichtigungen, Verhandlungen und die Koordination mit Notar und Steuerberater übernehme ich, Sie müssen dafür nicht anreisen.
Wichtiger Hinweis: Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Gern nenne ich Ihnen deutschsprachige Steuerberater in Spanien.
FAQ
Ja. Spanien kennt keine Spekulationsfrist. Als Nichtresident zahlen Sie dort immer 19 % auf den Gewinn. Steuerfrei nach zehn Jahren ist der Verkauf nur in Deutschland.
Sie bekommen den gesamten Einbehalt zurück. Dafür müssen Sie innerhalb von vier Monaten nach dem Verkauf das Modelo 210 abgeben und die Erstattung beantragen.
Wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als zehn Jahre liegen und keine Eigennutzung vorlag, ja. Der Gewinn wird in Ihrer deutschen Einkommensteuererklärung erfasst und die spanische Steuer angerechnet.
Ja. Maklerprovision, Plusvalía Municipal und weitere Verkaufskosten mindern den steuerpflichtigen Gewinn in Spanien.
Der Verkäufer. Ist er nicht in Spanien ansässig, behält der Käufer den Betrag in der Regel beim Notartermin ein und zahlt ihn an die Gemeinde.
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